Zeitreise ins Mittelalter
Das Archäologische Fenster am Münster Herford

PEP Architekten und Stadtplaner
PEP Architekten und Stadtplaner
Jürgen Escher / Dieter Ernstmeier Stiftung

Wie Geschichte erlebbar wird

Der Damenstift in Herford hat eine lange und reiche Geschichte. Die Äbtissinnen hatten über Jahrhunderte nicht nur kulturellen Einfluss, sondern auch große politische Macht. Das Archäologische Fenster am Münster (AFaM) macht diese spannende Vergangenheit lebendig.

Das AFaM besteht aus zwei Gebäuden, deren Form und Lage den Grundriss des ehemaligen Damenstifts nachzeichnen. Sie überspannen die freigelegten Mauerreste. In den Obergeschossen sind Kopien von Originalfunden ausgestellt. Die Geschichte des Stiftes wird dort multimedial und anschaulich aufbereitet, unter anderem auch durch Kurzfilme mit Katharina Thalbach.

Architektur als Brücke zwischen den Epochen

Die beiden Bauwerke sind mehr als bloße Schutzhüllen für die archäologischen Befunde: Ihre Gestalt orientiert sich an den historischen Strukturen des Stifts und macht den einstigen Baukörper räumlich nachvollziehbar. Wer die Untergeschosse betritt, steht buchstäblich in der Grabungsebene. Die Verbindung von Architektur und Archäologie schafft dabei ein ganz besonderes Raumerlebnis.

Säulenverläufe in den Außenanlagen markieren den ehemaligen Kreuzgang und die Klostermauern. Der öffentliche Raum rund um das Münster wird so zum Teil des Ausstellungserlebnisses.

Ulrich Reckinger
Jürgen Escher / Dieter Ernstmeier Stiftung

Bauen unter archäologischer Begleitung

Die Bauausführung stellte das Projektteam vor besondere Herausforderungen. Da die Erdarbeiten im Bereich der Grabungsebene kontinuierlich neue Mauerreste und Befunde des ehemaligen Damenstifts freigaben, musste die gesamte Tiefbauphase von archäologischen Fachkräften begleitet werden. Jede neue Entdeckung erforderte eine sorgfältige Bewertung – und nicht selten unmittelbare Anpassungen der Planung.

Pfahlgründungen, Fundamentierungen und statische Nachweise wurden im Laufe der Bauzeit regelmäßig überprüft und wo nötig modifiziert. Das erforderte ein hohes Maß an Flexibilität aller Beteiligten, war aber zugleich Ausdruck des zentralen Anspruchs dieses Projekts: die historischen Spuren nicht nur zu schützen, sondern sie zum Kern des neuen Bauwerks zu machen.

Bundesförderung für ein nationales Kulturerbe

Die Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien (BKM) förderte das Projekt mit 1,575 Millionen Euro – ein deutliches Zeichen für die überregionale Bedeutung des Vorhabens. Die Gesamtbaukosten beliefen sich auf rund 6,8 Millionen Euro.

Die Bundesbauverwaltung in Nordrhein-Westfalen unterstützte bei diesem Zuwendungsbau die Stadt Herford als Zuwendungsempfänger bei der Einhaltung der Vorgaben zur Förderung und prüfte für den Zuwendungsgeber, also den Bund, die wirtschaftliche und zweckmäßige Verwendung der Fördermittel. Der Ausführungszeitraum erstreckte sich von Sommer 2023 bis Dezember 2025.

Jürgen Escher / Dieter Ernstmeier Stiftung

Daten und Fakten

Rund 6,8 Mio

Euro kostet das Projekt voraussichtlich insgesamt.

1,575 Mio

Euro steuerte der Bund bei.

Im August 2025

wurde das Projekt der Bevölkerung übergeben.

Jürgen Escher / Dieter Ernstmeier Stiftung
Jürgen Escher / Dieter Ernstmeier Stiftung
pixabay